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Fördergelder auch für private F&E-Anbieter

4. September 2012 | von Robert Lüdi

Ich teile die Ansichten von Herrn Ganz und die Forderung nach gleich langen Spiessen weitgehend.
Nach meiner Ansicht betrifft dies jedoch längst nicht nur die Fachhochschulen sondern genauso die akademischen Universitäten, den gesamten ETH-Bereich sowie zahlreiche halbstaatliche Technologieanbieter. Alle diese Organisationen wurden in den letzten Jahren finanziell und personell massiv aufgestockt. Die Fachhochschulen stellen in diesem Umfeld aber nur gerade 20 Prozent der über 1‘700 öffentlichen und halbstaatlichen Schweizer F&E-Institute. Diese Situation habe ich bereits in meinem Blogbeitrag vom 24. Mai 2012 ausgeführt.

Schwerer Stand privatwirtschaftlicher F+E-Anbieter
Nur ganz wenige technologisch ausgerichtete öffentliche F&E-Institute könnten allein von privatwirtschaftlichen Aufträgen leben. Bei allen anderen helfen die Basisfinanzierung und natürlich die F&E-Förderprogramme (SNF, KTI, EU, Stiftungen), die beide zusammen 60 bis 95 Prozent der Aufwendungen decken.
In einzelnen stark dienstleistungsgeprägten Bereichen, wie Regionalentwicklung, Gesundheitswesen, Gemeindefusionen, Soziales, öffentliche Verwaltung und Finanzen etc. leben Institute fast ausschliesslich von rein öffentlichen Aufträgen. Privatwirtschaftliche F&E-Dienstleistungsanbieter, die zwingend alle Kosten auf ihre Kunden abwälzen müssen, können in diesem Umfeld kaum bestehen. Die Forderung nach gleich langen Spiessen darf daher nicht nur die Fachhochschulen betreffen, sondern muss zwingend die gesamte angewandte F&E-Förderung abdecken.

Direktfinanzierungsmodelle bereits Realität
Bei der KTI würde dies bedeuten, dass nicht nur die wissenschaftlichen sondern auch die privatwirtschaftlichen Partner direkt finanziert werden. Über den prozentualen Anteil der Finanzierung der verschiedenen Partner kann man diskutieren, wobei die Obergrenze der öffentlichen Förderung max. 75 Prozent, bei Demonstrationsprojekten max. 50 Prozent betragen könnte.
Direktfinanzierungsmodelle für alle Projektpartner sind im EU-Raum längst Realität, seit rund 10 Jahren werden öffentliche F&E-Institute als auch KMU zum Ansatz von 75 Prozent der Kosten finanziert. Grosszügige Overhead-Regelungen decken zudem einen Teil der Differenz. Bei Grossfirmen liegt der Ansatz der Direktfinanzierung bei 50 Prozent. Mittlerweile gibt es rund 7000 Schweizer Beteiligungen in den EU-Projekten, davon sind rund ein Viertel Unternehmen, die über dieses alternative Modell direkt Fördergelder erhalten.
Bei einzelnen Bereichen der Schweizer Ressortforschung (BFE, BAFU) gibt es zudem ebenfalls Direktfinanzierungsmodelle, die aber immer im Schatten der KTI standen.
Mit der angestrebten Zusammenführung der gesamten F&E-Aktivitäten in einem Bundesdepartement ab 2013 wird sich die Frage einheitlicher Finanzierungsmodelle für F&E zweifellos wieder stellen und hoffentlich im Sinne „gleich langer Spiesse“ lösen.