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Gleich lange Spiesse schaffen

3. September 2012 | von Jochen Ganz

Kürzlich erhielt ich einen überraschenden Anruf eines Institutsleiter einer Fachhochschule: Das Institut hatte sich für den gleichen Entwicklungsauftrag beworben, den Zuschlag erhielten aber wir als privater Anbieter. Er zeigte sich ziemlich überrascht über diesen Entscheid und wollte sich als Unterauftragnehmer anbieten.
Mir zeigte dieses Gespräch einmal mehr, wie stark die Fachhochschulen um Standarddienstleistungen ohne Forschungsbedarf buhlen. Zwar ist dies gemäss Fachhochschulgesetz durchaus zulässig. Aber für mich stellt sich die zentrale Frage nach dem Sinn: Profitieren Forschung und Lehre davon? Ich denke kaum! Macht es Sinn, staatliche Institutionen aufzublähen durch Angebote, welche die Privatwirtschaft ebenso gut oder sogar noch besser erfüllen kann? Als liberal denkender Mensch muss man auch hier ein klares Nein aussprechen. Vielleicht könnte man noch anführen, dass dadurch der Wettbewerb belebt werde. Von wegen! Vielmehr wird der Wettbewerb verzerrt, denn die Fachhochschulen haben im Markt klare Vorteile gegenüber privaten Anbietern:

  • Sie können sich Know-how staatlich subventioniert aufbauen.
  • Wenn das Projekt etwas komplizierter wird und F&E-Leistung notwendig sind, können sie über ein KTI-Projekt öffentliche Fördergelder beantragen.
  • Sie profitieren vom Brand der Hochschulen. Jeder, der etwas von Marketing versteht, weiss, was der Aufbau einer solchen Marke kostet.

Der genannte Fachhochschulvertreter war sich dieser Situation überhaupt nicht bewusst. Kein Wunder, er profitiert ja von der Situation. Dass sich aber in der Politik niemand daran zu stossen scheint, ist mir unverständlich.
Es gibt zwei Möglichkeiten, auf diesen Missstand zu reagieren: Lassen wir den Markt spielen und blähen die Fachhochschulinstitute nicht weiter auf. Oder aber: Gewähren wir auch privaten Anbietern von F&E-Leistungen Zugang zu Forschungsförderungsbeiträgen. Dann hätten wieder alle Mitbewerber mehr oder weniger gleich lange Spiesse.
In dieser Frage könnte das Parlament im Rahmen der Gesamtrevision des Bundesgesetzes über die Forschungs- und Innovationsförderung (GWFI) eine entscheidende Weichenstellung vornehmen: indem die privaten F&E-Leistungserbringer nicht a priori von jeglichen staatlichen Fördermitteln ausgenommen werden.

Anmerkung
Jochen Ganz, Geschäftsleiter eines privaten F&E-Dienstleisters, vertritt mit diesem Beitrag die Meinung der Gruppe für mehr Wettbewerb in Forschung und Innovation (GWFI).