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Innovation lässt sich nicht verordnen

4. Juni 2012 | von Gastautor

Rudolf Minsch, Chefökonom und Mitglied der Geschäftsleitung von economiesuisse

Innovation ist nicht planbar, ihr Entstehungsprozess kaum zu durchschauen und ihre Haltbarkeit äusserst begrenzt. Trotzdem gibt es keinen wertvolleren Rohstoff. Für die Schweiz gilt das ganz besonders. Ohne kreative Köpfe, neugierige Forscherinnen und unternehmerische Querdenker wäre sie nie zu dem geworden, was sie heute ist: Eines der wohlhabendsten und wettbewerbsfähigsten Länder der Welt. Zu halten ist diese Position auch in Zukunft nur mit weiteren Innovationsleistungen: Angesichts des starken Frankens und vergleichsweise hoher Produktionskosten steht die hiesige Wirtschaft permanent im Zugzwang, Neues zu entwickeln.

Das versucht sich auch die Politik zunutze zu machen: Kaum eine Regierung, kaum eine Partei, die sich in den vergangenen Jahren nicht die Innovationsförderung auf ihre Fahnen geschrieben hätte. Schaut man genauer hin, entpuppen sich allerdings viele der propagierten Rezepte als Luftblasen – sie sind weder nachhaltig, noch wirksam, ja sogar oft kontraproduktiv. Dazu gehören beispielsweise Subventionen, die grosszügig in vermeintlich innovative Branchen gepumpt werden. Die milliardenschwere Unterstützung alternativer Energieerzeugung in Deutschland und Spanien schuf kurzfristig zwar viele neue, subventionsabhängige Unternehmen – aber kaum Innovation.

Es ist das wichtigste Merkmal des kreativen Prozesses, dass das Endprodukt nie zum Vornherein bekannt ist. Der Innovationsprozess ist ergebnisoffen. Die Politik sollte daher nicht versuchen, Innovation zu steuern sondern optimale Rahmenbedingungen schaffen. Eine wichtige Triebfeder für Innovation ist der Wettbewerb – insofern ist gute Wettbewerbspolitik immer auch gute Innovationspolitik. Eine zweite wichtige Komponente ist die Bildung. Nur mit bestens ausgebildetem Personal sind Unternehmen in der Lage, ihre Prozesse und Produkte immer wieder zu hinterfragen und zu verbessern. Dank dem dualen Bildungssystem stehen der Schweizer Wirtschaft sowohl exzellente Akademiker als auch motivierte Berufspraktiker zur Verfügung. Wo diese fehlen, können sie dank der Personenfreizügigkeit im Ausland rekrutiert werden. Auch eine intelligente Zuwanderungspolitik hilft der Schweiz, innovativ zu bleiben.

Wenn es einen Bereich gibt, in dem die Politik mit finanziellen Mitteln etwas ausrichten kann, dann ist es die Forschung. Es besteht ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Innovationsleistung eines Landes und der Qualität seiner Hochschulen. Universitäre Forschung auf höchstem Niveau zieht exzellente Denker, aber auch innovative Unternehmen an, die für ihre Gebiete wiederum die kreativsten Köpfe engagieren. Was dabei herauskommt, kann von der Politik aber nicht geplant werden. Die besten Ideen reifen erfahrungsgemäss dort, wo auch das Scheitern erlaubt ist.

Studie und Umfrage von economiesuisse

In den vergangenen Wochen hat economiesuisse unter allen wichtigen Branchen der Schweizer Wirtschaft eine Expertenumfrage zum Thema Innovation durchgeführt und eine Studie „Innovationspolitik in der Schweiz: Erfolgsfaktoren und populäre Irrtümer“ publiziert. Sie analysiert acht Möglichkeiten der Innovationsförderung, wovon vier als tauglich erachtet werden.

Ein Kommentar

  • Christine Bulliard-Marbach, Nationalrätin CVP FR sagt:

    Die Aussagen von Herr Minsch zu den Voraussetzungen und zur Bedeutung von Innovationsleistungen für die Schweiz sowie zu den Merkmale von Innovationsprozessen kann ich nur unterstreichen. Gerade aus diesen Gründen habe ich mich im Rahmen der Debatte über die Schaffung eines nationalen Innovationsparks dafür eingesetzt, dass ein solcher an mehreren Standorten möglich ist und eine Unterstützung durch den Bund auch dann erfolgen kann, wo er über keine Landreserven verfügt. Aber es ist auch unsere Aufgabe, Innovation in der ganzen Breite zu fördern und dabei vorübergehend dringenden spezifischen Bedürfnissen wie der alternativen Energieerzeugung Rechnung zu tragen. Gleichzeitig gilt es mit allen Mitteln bereits während der obligatorischen Schulzeit für Innovation zu sensibilisieren und junge Leute, auch junge Frauen, für die sogenannten MINT Berufe zu gewinnen. Entsprechende Programme wie „explore-it“ existieren und müssten nur noch vermehrt unterstützt werden im Sinne längerfristiger und nachhaltiger Innovation.