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Mehr Forschung in die Schweiz bringen

6. Februar 2014 | von Redaktion

Ruedi Noser, Nationalrat FDP und Präsident des Vereins „Swiss Innovation Park” setzt sich seit Jahren für einen Innovationspark in der Schweiz ein. Damit soll ein lebendiger Raum geschaffen werden, in dem internationale Grosskonzerne gemeinsam mit den Universitäten und ETHs Forschung betreiben.

Herr Noser, stellen wir Sie sich vor, Sie spazieren in 30 Jahren durch den Innovationspark. Was sehen Sie?
Einen modernen, architektonisch hochwertigen Stadtteil, der zum Wohnen, Arbeiten und Flanieren einlädt. Ich gehe durch ein pulsierendes, lebendiges Zentrum, in dem Lehre und Forschung Platz haben, aber auch Kultur, Freizeit und Einkaufen.

In der Schweiz gibt es Technoparks und Gründerzentren. Weshalb braucht es zusätzlich einen Innovationspark?
Sie sagen zu Recht, dass es genügend Technoparks und Gründerzentren gibt. Der Innovationspark ist aber etwas anderes. Hier wollen wir private Forschungseinrichtungen von grossen Konzernen ansiedeln. Einheiten von 100 bis zu 1000 Arbeitsplätzen sind im Fokus. Damit wollen wir den Forschungsstandort Schweiz als Ganzes stärken. Unsere zehn Universitäten, die zwei ETHs und auch die Fachhochschulen arbeiten mit Hunderten von ausländischen Firmen zusammen. Multinational tätige Firmen, insbesondere forschende Industriepartner, möchten wir motivieren, mit ihren Forschungsabteilungen in den schweizerischen Innovationspark zu kommen, sei es an einen der beiden Hubs in Lausanne und Zürich oder an einen anderen Netzwerkstandort.

Was soll den Innovationspark von Technoparks und Gründerzentren abheben?
Gründerzentren sind wie der Name sagt für Neugründungen und auch Technoparks fokussieren auf Start-ups und Jungunternehmen. Bei beiden Einrichtungen geht es in erster Linie darum, Forschungsresultate in Produkten anzuwenden. Im Innovationspark hingegen wollen wir privat bezahlte Forschung ansiedeln. Unternehmen sollen gemeinsam mit den Hochschulen forschen, mit Universitäten, Fachhochschulen und den ETHs.

Wie muss ein Innovationspark gestaltet sein, damit er innovative Firmen anzieht und zu einem Leuchtturm wird?
Am wichtigsten sind Freiraum und die Geduld, den Freiraum so lange frei zu lassen, bis sich die passende Gelegenheit ergibt. Dazu müssen wir Raum, Infrastruktur und die richtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dann brauchen wir Zeit. Der Innovationspark soll sich langsam über die nächsten 30 Jahre entwickeln.

Was ist die Aufgabe der Politik?
Auf nationaler Ebene geht es nach der Totalrevision des Forschungs- und Innovationsförderungsgesetzes um die Genehmigung des Umsetzungskonzepts. Auf kantonaler Ebene sollte die Politik geeignete Flächen zur Verfügung stellen, die raumplanerischen Bedingungen richtig setzen und durch Vorinvestitionen in die Erschliessung die Areale baureif machen. Und wenn die Flächen dann genutzt werden, sollen die Vorinvestitionen wieder zurückbezahlt werden.

Bei Konzepten wie Open Innovation oder Crowd Sourcing findet Innovation nicht mehr an einem Ort statt. Zahlreiche Akteure überall auf der Welt tragen dazu bei, entscheidend ist die Integration in das globale Innovationsnetzwerk. Ist es angesichts solcher Konzepte noch zeitgemäss, Innovatoren in einem Park zu versammeln?
Innovation geschieht auf viele Arten. Aber Grosskonzerne haben immer noch eigene Forschungseinrichtungen, an denen sie viele innovative Köpfe konzentrieren. Beispiele sind das Forschungszentrum der IBM in Rüschlikon oder Google. Dass die Köpfe weltweit vernetzt sind, ist klar. Aber ein Zentrum, eine Heimat wird es immer brauchen.

Gute Ideen reichen nicht aus, es braucht die Umsetzung in ein erfolgreiches Produkt. Oft wird bemängelt, dass es daran in der Schweiz fehle. Kann ein Innovationspark diese Situation verbessern?
Das ist nicht die erste Zielsetzung des Innovationsparks. Ziel ist, mehr Forschung in die Schweiz zu bringen. Wenn dies gelingt, wenn wir viele innovative Köpfe hier haben, werden sie auch die Schweizer Wirtschaft befruchten.

Innovationen sind nicht nur bahnbrechende Ideen aus grossen Forscherlabors. KMU innovieren oft in kleineren Schritten, sind aber nicht weniger erfolgreich. Sind KMU in einem Innovationspark, der als Leuchtturm wirken soll, auch willkommen?
Wenn KMU Forschung im eigentlichen Sinn betreiben, warum nicht. Aber auch meine Firma mit 500 Ingenieuren, die vieles entwickeln, gehört nicht in den Innovationspark. Ich als KMU profitiere aber trotzdem. Denn wenn es mehr Forscher in der Schweiz gibt, habe ich bessere Chancen, diese für mein Unternehmen anzuwerben. Wenn ich in Singapur suchen muss, wird es weitaus schwieriger.

Interview: Christa Roatzin, Chefredaktorin SWISS ENGINEERING
erschienen in SWISS ENGINEERING, Ausgabe 1/2014