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Verdrängen öffentliche F&E-Dienstleister private Anbieter?

24. Mai 2012 | von Robert Lüdi

Die Zahl der öffentlichen F&E-Institute und derer Mitarbeiter wächst seit Jahren stärker als die Schweizer Wirtschaft. Gemäss der letzten Erfassung von Lüdi Consulting R+D vom April 2012 gibt es heute 1728 öffentliche F&E-Institute; 2006 waren es gerade mal 1060. Diese Zunahme um rund 70 Prozent in nur sechs Jahren liegt drei- bis viermal über dem Wachstum des Schweizer Bruttoinlandprodukts.
Eine Besonderheit der öffentlichen F&E-Institute ist, dass sie aufgrund der Verknüpfung mit Bildungsaufgaben beinahe ewiges Leben geniessen und kaum einem wirtschaftlichen Wettbewerb unterliegen. Denn sie sind weitgehend von staatlichen Geldern finanziert, einerseits über namhafte Basisbeiträge, andererseits über Drittmittel, die zu 70 bis 80 Prozent aus öffentlichen Quellen wie Förderprogrammen sowie öffentlichen Mandaten und Aufträgen stammen. Nur ganz wenige Institute könnten in einem amerikanischen System überleben, in dem Mittel privatwirtschaftlich zu akquirieren sind.
Zu denken geben sollten dabei folgende Punkte:

  • Bei 1728 F&E-Instituten sind Doppelspurigkeiten vorprogrammiert. In der Erhebung 2011 wurden im Durchschnitt 7 Institute mit gleichen Kompetenzen ermittelt, in Einzelfällen finden sich 20 bis 25 ähnlich ausgerichtete Institute; mitverantwortlich sind dabei wohl sprach- und regionalpolitische Befindlichkeiten. Der Wettbewerb spielt kaum.
  • Ein Trend zur Beratung ist offensichtlich. Dieser äussert sich speziell bei Studien zu öffentlichen Bereichen wie Gesundheitswesen, regionalpolitische Entwicklung oder Tourismus.
  • Die Dominanz der Life Sciences sprengt mittlerweise jeden Rahmen. Rund 36 Prozent aller Institute haben Aktivitäten in diesem Bereich, seit Jahren mit steigender Tendenz.
  • In der engen Nachbarschaft der Schweiz (bis ca. 50 km ab Grenze) finden sich in den fünf Ländern weitere 489 öffentliche F&E-Institute, wobei auch hier ein grosses Wachstum und die gleiche Dominanz der Life Sciences zu beobachten ist.
  • Die Schweiz ist primär dank den privatwirtschaftlichen F&E-Aufwendungen seit Jahren europäischer Innovationsführer. Es fragt sich, ob die zahllosen in Instituten gebundenen wissenschaftlichen Mitarbeiter nicht besser in die Wirtschaft geschickt würden, die bekanntlich händeringend nach gut ausgebildeten Mitarbeitern sucht und diese oft nur noch im Ausland findet. Damit hätten auch die rein privatwirtschaftlichen F&E-Anbieter wieder bessere Chancen, um im ungleichen Wettbewerb mit öffentlichen und halbstaatlichen Anbietern zu bestehen.

    Abgrenzung F&E-Institute
    Institute umfassen Einheiten über der F&E-Gruppe, von denen es 8000 bis 9000 geben dürfte, und laufen unter ganz unterschiedlichen Bezeichnungen wie Abteilung, Zentrum, Laboratorium etc. Ein Teil des Wachstums beruht auf der Integration von verschiedenen Berufsbereichen in universitäre Ausbildungen, so z.B. die pädagogischen Hochschulen, das Gesundheitswesen und die Kunst, die seither massiv in F&E investieren. Der grösste Teil der Institute findet sich auf Stufe der akademischen Universitäten, inkl. Universitätsspitäler (52 %), des ETH-Bereichs (24 %) sowie der Fachhochschulen (20 %).

    Ein Kommentar

    • Meier-Dallach sagt:

      Ja dieser Trend ist verheerend. Die ETH ist ein gigantischer Moloch geworden mit einer grossen Medienmacht und ebenso grossen Leerläufen. Das gleiche ahmen die Universitäten und jetzt noch die Fachhochschulen nach. Jedes Amt gibt sich als Kompetenz- oder Fachstelle. Alles ist quersubventioniert – in meinen Augen ein Netz von Seilschaften, monopolartig und zum Teil korrupt.